Halt und Sicherheit im Ungewissen: Eine gute Tagesstruktur entwickeln

Lifehacks zum Leben mit dem Coronavirus – Serie Teil 2
Ausgangssperren, Ängste, reduzierte Sozialkontakte, allgegenwärtige Medienberichte über Corona etc.  bestimmen derzeit den Alltag. Meine Serie beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, trotz allem einen guten Umgang auf mentaler Ebene zu finden.

Routine Tagesstruktur

Foto: CC Sacha Chua (Flickr)

Ich möchte mit den Basics beginnen: Gerade wenn vieles unsicher erscheint, brauchen wir Stabilität. Sich eine Tagesstruktur aufzubauen kann dabei maßgeblich helfen. Damit ist gemeint, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten. Gute Routinen zu entwickeln macht nicht nur Freude, sondern hilft uns auf mentaler Ebene sehr: Wir gewinnen so wieder Kontrolle über die Dinge, die wir beeinflussen können. Dadurch fühlen wir uns als aktive Gestalter unseres Lebens. Wenn wir uns treiben lassen, entsteht allzuleicht das Gefühl, Opfer der Umstände zu sein, selbst bei den Dingen, die wir steuern könnten. So einfach es auch klingen mag, so sehr wird gerade dieser Aspekt oft vernachlässigt. Wir brauchen jedoch gewissermaßen Anker, die uns Halt geben.

Vielleicht ist es für manche sogar ganz nett, mal ein paar Tage nur zu faulenzen und irgendwie in den Tag hinein zu leben. Um es längere Zeit bei Ausgangssperren und „social distance“ in den eigenen 4 Wänden gut auszuhalten, ist es günstig sich eine Tagesstruktur auszubauen. Empfehlenswert ist, wenn sich vieles davon widerholt und stabil bleibt – jedoch man die Tage natürlich gegebenfalls auch flexibel an die Gegebenheiten anpasst.

Aufstehen
Dies fängt mit einem guten Schlaf/Wachrhythmus an. Damit ist gemeint, morgens zu einer für sich guten Uhrzeit aufzustehen, eventuell mit Wecker. Und Abends zu einer guten Uhrzeit ins Bett zu gehen. Durchgemachte Netflix-Nächte und zu spätes Aufstehen rächen sich mitunter durch Antriebslosigkeit und langfristig auch mit Schlafstörungen.

Pflege
„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ so ein legendäres Zitat von Karl Lagerfeld. Tatsächlich hat unser Äußeres auch eine Wirkung auf unser Inneres. Wenn wir uns pfegen und gut anziehen (trotz reduzierter Sozialkontakte oder Ausgangssperre), achten wir auf uns. Gerade wenn wir es „nur“ für uns selbst tun. Unsere Selbstachtung leidet unwillkürlich, wenn wir uns gehen lassen und den ganzen Tag im Schlafgewand bleiben.

Essen
Mahlzeiten können auch Fixpunkte im Tagesablauf sein. Gerade jetzt besteht die Möglichkeit sich wirklich in Ruhe die Gerichte vorzubereiten und diese ganz ohne Hektik und ohne Ablenkung zu genießen. Abseits davon, dass das unseren Körper und unser Immunsystem stärkt (im Darm „sitzt“ quasi ein Großteil unseres Immunsystems) ist das auch eine gute Botschaft für unsere Psyche: Nämlich sorgsam und liebevoll mit dem eigenen Körper umzugehen.

Trautes Heim…
Wenn wir viel Zuhause sind, ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass man sich wohl fühlt und die Wohnräume ansprechend und gemütlich sind. Es hilft oft, fixe Zeiten für die Hausarbeit einzuteilen: zB morgens nach dem Frühstück eine bestimmte Zeit dem Haushalt widmen.

Arbeit
Viele können ohnehin mittels Homeoffice weiterhin arbeiten. Das hilft natürlich einerseits dabei, einen gewissen Tagesablauf einzuhalten, andererseits verführt es auch dazu, „die ganze Zeit“ zu arbeiten. Dies ist aber sicher nicht im Sinne der Gesundheit. Achten Sie auch zuhause auf gute Pausen und das Einhalten der Arbeitszeit.

Zeit für Hobbies
Wenn man plötzlich viel „neue“ Freizeit hat, da die ursprünglichen Hobbies (wie zB Freunde treffen) wegfallen, kann man sich überlegen, was man stattdessen machen möchte. Beispielsweise eine neue Sprache lernen, Bücher lesen, Pflanzen ziehen, die Wohnung neu gestalten, Fitness mit Homevideos, Entspannungsübungen, Basteln, Malen, nähen, Filme schauen etc.  Jetzt besteht die Möglichkeit, für diese Aktivitäten fixe Zeiten am Tag zu reservieren. Das können durchaus kleine Einheiten sein (ganztägig Filme schauen ist ebensowenig gesund, wie stundenlanges Fitnesstraining) Beispiel zB.

  • 10 Uhr ein 30-Min-Fitnessvideo.
  • 14 Uhr einen kleinen Wohnungsbereich umgestalten.
  • 19 Uhr einen 90 Min Film
  • 21 Uhr eine Stunde Lesen.

Eine Balance zwischen Aktivität und Entspannung hilft uns ausgeglichen zu sein. Außerdem kann es durchaus sinnstiftend sein, die eigenen Interessen zu pflegen.