ELGA und psychische Gesundheit

Die Vertraulichkeit der Daten rund um die psychische Gesundheit sind den meisten Menschen ein großes Anliegen. Psychotherapie unterliegt daher einer sehr strengen Verschwiegenheit (siehe Psychotherapiegesetz in Österreich). In letzter Zeit fragen mich KlientInnen öfters, welche Bedeutung ELGA für sie hat. Ich habe daher die Antworten hier zusammen gefasst:

arzt-computer

Was bedeutet ELGA?
Elektronische Gesundheitsakte – in der verschiedene Daten, Befunde etc. gesammelt werden. Ausführliche Beschreibung finden sie hier

Wer hat Zugriff zu meiner elektronischen Gesundheitsakte?
In erster Linie man selber. So kann man selbst auf (Labor)Befunde etc. zugreifen. Man muss sich hierfür einen sicheren Zugang (siehe Bürgerkarte) besorgen. Zudem lt. Homepage von ELGA (Abruf der HP 02.12.2017 nachstehend zusammengefasst:

„Es sind dies neben der Patientin bzw. dem Patienten selbst ausschließlich nur jene Ärztinnen und Ärzte oder ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter (kurz: ELGA-GDA), die tatsächlich gerade die betreffende Patientin bzw. den betreffenden Patienten behandeln oder betreuen.

  • Krankenanstalten
  • Einrichtungen der (mobilen und stationären) Pflege
  • Ärztinnen und Ärzte
    (ausgenommen: Ärztinnen und Ärzte im Dienst der Sozialversicherung oder anderen Versicherungen, Ärztinnen und Ärzte mit behördlichen Aufgaben wie Amtsärztinnen und Amtsärzte oder bei der Musterung für den Wehrdienst, Arbeitsmedizinerinnen und Arbeitsmediziner, Schulärztinnen und Schulärzte)
  • Zahnärztinnen und Zahnärzte
    (ausgenommen: Dentistinnen und Dentisten, Zahnärztinnen und Zahnärzte im Dienst der Sozialversicherung oder anderer Versicherungen, Amtszahnärztinnen und Amtszahnärzte)
  • Apotheken“

Wer hat KEINEN Zugriff auf die Elga-Gesundheitsdaten?
lt. Homepage von ELGA (Abruf der HP 02.12.2017 – hier gesamte Info abrufbar)

  • „Chefärztinnen und -ärzte der staatlichen Sozialversicherungen
  • Ärztinnen und Ärzte, die für private Versicherungen Untersuchungen durchführen
  • Behörden sowie Amtsärztinnen und Amtsärzte
  • Schulärztinnen und Schulärzte
  • Betriebsärztinnen und Betriebsärzte
  • Stellungsärztinnen und -ärzte des Bundesheeres
  • Jene Ärztinnen und Ärzte, die durch den Patienten vom Zugriff ausgeschlossen wurden“

Wann startet ELGA?
ELGA wird schrittweise eingeführt. Zunächst werden Institutionen und Spitäler an ELGA angebunden – was teilweise bereits erfolgt ist. Sofern es aus diesem Bereich Befunde etc. bereits gibt, können diese schon jetzt abgerufen werden. Hier findet sich mehr Infos dazu, inkl. einer Liste der angebundenen Spitäler.  Wann ELGA generell wo starten soll, wird durch eine neue ELGA Verordnung festgelegt.

Welche Daten werden in ELGA verfügbar gemacht?
lt.  ELGA-Auskunft vom 24.11.2017 sind dies aktuell:

  • „ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe der öffentlichen Krankenhäuser
  • Laborbefunde
  • Radiologiebefunde
  • Medikationsdaten
    Weiters sind geplant:
  • Patientenverfügungen
  • Vorsorgevollmachten
  • Gesetzliche medizinische Register“

Scheinen auch Psycho-Pharmaka (zB Antidepressiva, Antipsychotika etc.) in ELGA auf?
Ja – außer man macht ein „situatives Opt-Out. Detaillierte Ausführung dazu lt. ELGA-Auskunft vom 24.11.2017:

„In der e-Medikation werden Kassen-, Privat- und Substitutionsrezepte gespeichert. Sofern der Patient sich von ELGA nicht abgemeldet bzw. keinen „siuativen Opt-Out“ (z.B. „Dieses Arzneimittel soll nicht in der e-Medikation eingetragen werden!“) ausgesprochen hat, sind Ärzte mit Kassenvertrag verpflichtet, alle Medikamente, die sie verordnen, in die e-Medikationsliste des Patienten einzutragen. Über die am Papierrezept aufgedruckte eMED-ID (ein von Scannern lesbarer 2-D-Matrixcode) können in der Apotheke die Verordnungen am jeweiligen Rezept abgerufen werden. Die Apotheke sieht ausschließlich die am Papierrezept angegebenen und in e-Medikation gespeicherten Verordnungen. Sie hat keinen Zugriff auf die gesamte e-Medikationsliste. Nicht rezeptpflichtige Medikamente (OTC-Präparate), die eventuell wechselwirkungsrelevant sind, können durch die Apotheke allerdings in die e-Medikationsliste eingetragen werden. Dazu ist das Stecken der e-card in der Apotheke erforderlich. D.h. ohne, dass der Patient es selbst möchte, hat die Apotheker keinen Zugriff.“

Was genau bedeutet „situatives Opt-Out“?
(ELGA-Auskunft vom 24.11.2017)
„Es besteht für Patienten die Möglichkeit, der Aufnahme von Gesundheitsdaten in ELGA vor Ort im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Arzt zu widersprechen. Durch dieses so genannte „Situative Opt-Out“ (ELGA-G § 16 Abs. 2) werden diese Gesundheitsdaten weder für den weiter behandelnden Arzt noch für den Patienten selbst über ELGA abrufbar. Wenn somit ein Patient bei einem stationären oder ambulanten Aufenthalt bzw. bei einem Besuch bei einem niedergelassenen ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter ein „Situatives Opt-Out“ erklärt, werden keine Daten für ELGA bereitgestellt – weder e-Befunde noch Verordnungen von Medikamenten. Der ELGA-GDA kann – bei aufrechtem Behandlungsverhältnis – bestehende ELGA-Gesundheitsdaten aber weiterhin auslesen. Bei einem Spitalsaufenthalt wird der Widerspruch meist mittels Formular erfasst und lokal elektronisch gespeichert. Das situative Opt-Out wird nur beim jeweiligen ELGA-GDA dokumentiert.“

Scheint eine psychische Diagnose in ELGA auf?
Ja – aber lt ELGA-Auskunft vom 24.11.2017 muss der/die PatientIn hier über das Widerspruchsrecht informiert werden. Wenn man vom Widerspruchsrecht Gebrauch macht, dann scheint die Diagnose nicht auf. Nachstehend die genaue Erklärung:

„In folgenden Fällen müssen ELGA-GDA die Patienten zusätzlich gesondert über ihr Widerspruchsrecht im Anlassfall („Situatives Opt-Out“) informieren:

  • bei psychischen Erkrankungen (als Hauptdiagnose),
  • bei genetischen Untersuchungen (lt. GTG §71a Abs. 1),
  • bei Schwangerschaftsabbruch sowie
  • bei HIV-Infektionen.“

Scheint das Formular „Kostenzuschuss zur Psychotherapie“ in ELGA auf?
Bei Antrag auf Kostenzuschuss für Psychotherapie bei der zuständigen Krankenkasse: Ab einer bestimmten Anzahl von Sitzungen (meist 10 Sitzungen) müssen KlientInnen (gemeinsam mit der Therapeutin) ein Formular ausfüllen, um einen Zuschuss für die Psychotherapie refundiert zu bekommen. Dieses Formular muss der/die KlientIn an die Krankenkassa schicken um eine Kostenrefundierung zu bekommen. Die Höhe hängt von der jeweiligen Krankenkassa ab (zw.ca. Euro 21,80 bis 50,–) einen Kostenzuschuss für die Psychotherapie bei ihrer Krankenkassa beantragt – eine Abspeicherung bei ELGA erfolgt nicht lt. ELGA-Auskunft vom 24.11.2017:

„Anträge für Kostenzuschuss o.ä. werden in ELGA NICHT gespeichert.“

 

Mehr Infos zum Thema ELGA:

Das könnte Sie auch interessieren:

Advertisements

Verrechnung über Krankenkassa

Wichtige Infos zu meiner Praxis: Krankenkassen Teilrefundierung für Psychotherapie ist bei mir möglich. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Indikation. Nachstehend habe ich dazu wichtigsten Infos zusammen gefasst:

Was bedeutet Teilrefundierung?

Weiterlesen

Ermüdung und Erholung

Die Urlaubszeit naht und Feiertage laden zu Erholungszeiten ein. Gleichzeitig zeigt der aktuelle Arbeitsindex vom Mai 2017, dass knapp ein Drittel der ÖsterreicherInnen Burnout gefährdet sind.

rest-2106964_1920

(Ohne?) Maß und Ziel

Viele Studien weisen auf die Wichtigkeit von ausreichend Erholungsphasen hin, um körperlich und seelisch gesund zu bleiben (oder wieder zu werden). So etwa zeigen auch Forschungsergebnisse der medizinischen Universität Wien, dass es die Gesundheit dankt, wenn Arbeitstage nicht überlang sind (max. 8h). Die Ermüdungszustände nehmen nämlich proportional immer stärker zu.

Unfallrisiko und Leistungsknick

Ab der 10 Stunde ist mit einem erheblichen Leistungsknick zu rechnen und die Unfallhäufigkeit steigt rapide an. Auch zur Erholung braucht man dann länger, ein „normaler“ Feierabend reicht dann nicht mehr. So etwa braucht man laut der Studie nach zwei 12 h-Schichten anschließend drei Tage frei, um sich wieder vollständig erholen zu können.

Risikofaktor: Spätfolgen

Daraus geht hervor, dass jahrelanges (über)Ausreizen der Leistungsfähigkeit sozusagen auf die Gesundheit geht: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Erkrankungen sind die Folge. Hinzu kommt, dass es vermehrte Anstrengung erfordert, Leistungen abzurufen zu können, wenn man längere Zeit nicht auf ausreichend Erholungsphasen achtet. Das funktioniert zwar bei vielen Menschen für einige Zeit, geht jedoch auch mit erhöhtem Stresspegel einher, was ebenfalls Folgen für die Gesundheit hat.

Ein Plädoyer für die Pause

Vielleicht sind die aufgezählten Fakten und der bevorstehende Sommer ein guter Anlass, einen guten Life-Balance-Modus zu finden. In meiner mehrteiligen Serie finden sich ein paar Inspirationen für Pausen und ein gutes Leben (zB Teil 3 „Das Leben feiern“). Manchmal ist für solche Umstellungen auch auch ein professionelles Coaching hilfreich, um Prioritäten neu zu ordnen bzw. sich etwas Unterstützung zu gönnen.

Mehr lesen:

Burnout – Ursachen

Vor einiger Zeit habe ich bereits einen Beitrag zu den Symptomen bei Burnout geschrieben. Doch warum bekommen so viele Menschen ein Burnout – nachstehend habe ich versucht die Ursachen für ein Burnout in Kürze zusammen zu fassen:

thinking-272677_1280

Ursachen für ein Burnout

Jeder Mensch benötigt für Leistungseinsatz ausreichend Erholungsphasen. Das unterscheidet uns u.a. von Maschinen (aber auch die brauchen Wartung). Das klingt vielleicht platt – ich schreibe dies hier jedoch ganz bewusst so ausdrücklich, weil dies ein Faktor ist, der so selbstverständlich anmutet, jedoch in unserer sehr leistungsorientierten Gesellschaft manchmal eventuell zu kurz kommt.

Stark verkürzt können die Ursachen im Bereich Arbeitsbelastung und Erholungsmangel ausgemacht werden.

Krankmachende Merkmale am Arbeitsplatz (Beispiele)

Weiterlesen

Selbstwert und Selbstvertrauen

Zweifel und Versagensängste hängen oft mit dem Selbstwertgefühl zusammen. Vor vielen Jahren habe ich dazu eine ungewöhnliche Sichtweise gelesen. Ich möchte das Zitat hier teilen, da ich denke, dass eine Sichtweise aufzeigt, die erstaunlich ist. 

woman-520220_1280

Das Zitat stammt von der amerikanischen Bestseller-Autorin Marianne Williamson und wurde lange Zeit fälschlicherweise Nelson Mandela zugeordnet. Unabhängig vom Hintergrund und den spirituellen Aspekten darin, möchte hier diese Zeilen teilen, da sie zu einem Perspektivenwechsel einladen, der vielleicht für den oder die andere interessant sein könnte: Weiterlesen

Burnout – Symptome

Welche Symptome gibt es für Burnout?  Woran liegt es und wie kann man dem begegnen?

Die Symptome von Burnout können recht unterschiedlich sein – die Betroffenen fühlen sich  ausgelaugt. Da jeder Mensch sehr einzigartig ist, zeigen sich auch die Symptome vielfältig: Manche Betroffene spüren mehr auf der körperlichen Ebene – andere mehr auf der mentalen Ebene Anzeichen dafür, dass „etwas nicht stimmt.“.

tired-man „Tired Man Sitting on Bed“ -> Bild Creativ Commons: MIC445

Häufige Symptome Weiterlesen